Die Leben, die ich nicht lebe

Die Leben, die ich nicht lebe

Neulich hat mich meine reichhaltige Gedankenwelt dazu gebracht, kurz darüber nachzudenken, wie mein Leben heute aussehen könnte, wenn ich mich an bestimmten „Entscheidungspunkten“ in meinem Leben anders entschieden hätte.

Vielleicht ist das ein klassisches „Midlife-Phänomen“, das auftritt, wenn sich (gefühlt) die ersten Türen schließen (?).

Bis Mitte/Ende 30 hatte ich immer das Gefühl, noch alle Optionen im Leben zu haben. Heute denke ich, dass mir immer noch viele Wege offen sind und spüre gleichzeitig, dass ich mich sehr angekommen und gefestigt in meinem Leben fühle.

(Allerdings stehen mir in den nächsten Jahren einige Uranus-Transite bevor – Astrologie – sie gelten unter anderem als Zeiten überraschender Umbrüche im Leben. Vielleicht schaue ich in zwei, drei Jahren auf diesen Beitrag zurück und lache herzlich darüber.)

In diesem Beitrag nehme ich Dich mit in drei potenzielle Wege, die relativ wahrscheinlich/nah für mich waren, ich aber dann doch nicht gegangen bin. Außerdem verrate ich Dir am Ende dieses Beitrags, was ich durch die Reflektion dieser möglichen Lebenswege erkannt habe und Dir gerne mitgeben möchte.

Lass uns direkt reinstarten.

Achtung: Du kannst Dir diesen Beitrag auch als Podcastfolge meines Podcasts Venus Codes von mir vorlesen lassen. Du findest die Venus Codes auf Spotify (siehe Vorschauplayer unten), auf RTL+ und auf Apple Podcasts.

Nicht gelebtes Leben Nr. 1: Die dauerreisende Abenteurerin

Mit Ende 20 machte ich mich gemeinsam mit meiner Freundin Nathalie auf eine knapp fünfmonatige Reise nach Indien und Südafrika. Diese Reise war für mich rückblickend eine Antwort auf das stete Gefühl von Fernweh, das ich schon seit mindestens Anfang 20 in mir getragen hatte.

Die Reise hatte natürlich ihre Herausforderungen. Logistisch, kulturell, freundschaftlich. Gleichzeitig fühlte ich mich damals so lebendig und so sehr am richtigen (wechselnden) Ort wie selten zuvor in meinem Leben.

Besonders in Südafrika und dem unvergleichlich schönen Kapstadt empfand ich ein Gefühl von Freiheit und Weite in mir, nach dem ich mich wohl mein ganzes Leben lang gesehnt hatte.

Als die Reise – vor allem aus finanziellen Gründen – zu Ende ging, war ich am Boden zerstört. Ich wollte nicht zurück in mein altes Leben. Ich wollte weiter diese Freiheit, diese Lebendigkeit in mir spüren.

Zurück in meinem „normalen“ Leben träumte ich völlig pleite von der nächsten großen Reise. Ich erinnere mich noch, dass die Idee einer Überlandreise von Nordafrika über den ganzen afrikanischen Kontinent bis nach Kapstadt mich damals besonders faszinierte. In Gedanken kam ich immer wieder zurück zu dieser Reise-Idee.

In meiner Alltagsrealität ging es aber erstmal darum, irgendwie Geld zu verdienen. Nach ein paar Monaten Jobsuche fand ich schließlich einen Job in einem Konzern, der später selbst auch noch richtungsweisend für mein Leben werden sollte.

Und ich verliebte mich Hals über Kopf in meinen jetzigen Mann. Völlig unerwartet, wir kannten uns zu dem Zeitpunkt schon über sieben Jahre.

Als wir frisch zusammen waren, erinnerte ich ihn regelmäßig daran, dass ich jederzeit wieder für zwei bis drei Monate auf Reisen gehen könnte und dass er sich darauf einstellen müsse.

Spoiler: Meine längste „Reise“ seitdem war ein zweiwöchiger Urlaub in Spanien, haha.

Nicht weiter als bis nach Kopenhagen

Als ich ein paar Jahre später meinen Konzernjob völlig ausgebrannt und mit einer Angsterkrankung im Gepäck kündigte, hatte ich schon die Idee, in meiner nun geplanten Auszeit zu reisen. Weiter als bis nach Kopenhagen kam ich aber nicht.

Damals brauchte ich Ruhe und unser geborgenes Zuhause, um zu heilen. Eine lange und/oder weite Reise hätte ich garantiert nicht genießen können, dafür ging es mir emotional/psychisch viel zu schlecht.

Über die mehr als zehn Jahre, die seitdem vergangen sind, hat sich mein Wunsch nach abenteuerlichen Fernreisen nach und nach einfach verflüchtigt. Ich finde die Vorstellung, mehrere Monate von meinem Mann getrennt zu sein, unglaublich schwierig.

Ich meine, ich weiß, dass ich die räumliche Trennung schon irgendwie aushalten könnte und die neuen Eindrücke auf Reisen mich bereichern würden, aber dieser starke Drang nach langen Reisen zu fernen Zielen ist einfach nicht mehr in mir.

Ich glaube, das liegt ein Stück weit daran, dass ich diese unglaubliche Freiheit und Weite, die ich damals in Südafrika empfunden habe, in den vergangen 10 Jahren in mir gefunden habe. Dass ich ganz viel von dem, was ich mit Ende 20 noch gesucht habe, in mir gefunden habe.

Trotzdem denke ich manchmal noch an die 28-jährige Suzanne mit ihrer großen Sehnsucht im Herzen. Ich glaube, dass ein Leben auf Reisen mir auch sehr viel gegeben hätte.

Aber mein Weg hat sich eben anders entwickelt. Und es ist gut so, wie es ist.

Nicht gelebtes Leben Nr. 2: Die Konzernmanagerin

Wie schon erwähnt, startete ich wenige Monate nach meiner Rückkehr von der Reise einen Job in einem Konzern, der für mich richtungsweisend werden sollte. Richtungsweisend vor allem insofern, als dass die Zeit in diesem Konzern mir sehr eindrücklich zeigte, wie ich nicht arbeiten und leben möchte.

Die Konzernkultur passte für mich überhaupt nicht. Zu viel Druck, Missgunst, Machtgehabe und letztendlich viel unsoziales und unempathisches Verhalten.

Obendrauf war der Unternehmenszweck (Automobilzulieferer) für mich nicht mit Sinn erfüllt. Für mich persönlich ist es sehr wichtig, dass meine Arbeit in irgendeiner Form etwas dient, was ich als sinnvoll empfinde und meinen Werten entspricht.

Die ganze Geschichte darüber, wie es mir in diesem Job ergangen ist und wie die Krise, in die ich während meiner Zeit dort stolperte, mich letztendlich viel tiefer mit mir selbst in Verbindung gebracht hat, kannst Du in meinem Buch Durch die Jobkrise zu mir selbst nachlesen.

Ich verließ den Konzern 2015 und habe das auch nie bereut.

Trotzdem habe ich mich mit der Entscheidung gegen diese Art von Arbeitgeber auch gegen ein Leben entschieden, an dem ich nicht alles schlecht gefunden hätte.

Ich habe schon einen sehr ambitionierten Anteil in mir, eine Lust auf Gestalten und Führen, die ich dort vielleicht gut hätte ausleben können.

Voraussetzung für dieses Szenario wäre natürlich gewesen, dass ich meine psychische/emotionale Krise damals irgendwie hätte überwinden müssen, ohne den Job zu kündigen. Das wäre sicherlich möglich gewesen, mit einer längeren Krankschreibung vielleicht. Aber damit wäre dann die Führungsposition wahrscheinlich auch wieder keine Option mehr gewesen.

In Kontakt mit meiner Ambition

Jetzt, wo ich seit bald einem Jahr wieder in einer Festanstellung bin (nach 9 Jahren Vollzeit-Selbstständigkeit), bin ich mit diesem Potenzial in mir wieder in Kontakt gekommen.

Gleichzeitig sehe ich Freundinnen, die die „Karriereleiter“ in den vergangenen 10 Jahren stringenter geklettert sind, als ich mit meinem Berufungs- und Businessabenteuer.

Manchmal erlebe ich schon kleine Momente des Bedauerns darüber, dass ich dieses „Karriere“-Potential im klassischen Sinn nicht entfaltet habe. Vor allem ist es aber auch ein finanzielles Bedauern 😉 die klassischen Unternehmensstrukturen vermisse ich ehrlich gesagt kein Stück.

Ich hätte mich nicht auf die Art und Weise entwickeln können, wie ich es in den letzten 10 Jahren habe, wenn ich nicht diesen Weg gegangen wäre. Ich mag mich richtig gern und habe auch professionell Fähigkeiten entwickelt, die ich auf einem klassischen Weg einfach nicht hätte entwickeln können.

Ich sehe, dass die Konzernmanagerin eine Anlage in mir war. Aber ich bin froh, dass ich mich für einen anderen Weg entschieden habe.

Nicht gelebtes Leben Nr. 3: Das Leben mit leiblichen Kindern

Dieses Potenzial war von den genannten dreien dasjenige, das am längsten im Raum Stand. Erst mit Ende 30 war für mich nach jahrelangem inneren Ringen klar, dass ich definitiv keine leiblichen Kinder haben möchte.

Zu dem Zeitpunkt war ich bereits seit 10 Jahren Stiefmuddi und seit ein paar Jahren Tante. In meinem Freundinnen- und Bekanntenkreis waren über die Jahre unzählige Kinder geboren worden.

Mir war sehr klar, auf was ich mit dieser Entscheidung alles verzichten würde. Die vielen Kuschelmomente. Jeden Tag einen winzig kleinen Menschen beim Großwerden begleiten. Ein absolutes Wunder.

Aber auch: Jahrelanger Schlafmangel. Etliche Krankheiten begleiten; durchwachte Nächte mit kleinen, fiebrigen Menschlein. Ständige Sorge und Selbstzweifel. So viel Verantwortung für ein anderes Leben. Me-Time um mindestens 90% reduziert. Mental Load ohne Ende.

Ich glaube, dass ich nach all meiner inneren Heilarbeit eine liebevolle, achtsame Mama geworden wäre. Keine perfekte, aber eine, die den Großteil ihrer Wunden nicht mehr weitergibt.

Ich war mit Anfang, Mitte 30 eine Zeit lang sehr viel in Kontakt mit der potentiellen Mutter in mir. War eng im Dialog mit ihr/mir und meinen Wünschen. Dass ich sie werden würde, fühlte sich manchmal schon recht wahrscheinlich an.

Doch meine Berufung, die Zeit für mich und meine Entwicklung sind mir in diesem Leben dann doch wichtiger.

Eine Last fiel ab

Als ich diese Entscheidung mit Ende 30 endlich final getroffen hatte, fiel eine große Last von mir. Der Dialog mit der potentiellen Mutter in mir endete, eine Tür schloss sich. Dieses Leben wurde von einem möglichen zu einem ungelebten Leben.

Ich hoffe (und glaube), dass ich ein geborgener „Ort“ für die Kinder in meinem Leben bin. Und ich muss durch glückliche Umstände nicht leibliche Mutter sein, um das Wunder, Kinder relativ nah beim Aufwachsen zu begleiten, erleben zu dürfen.

Ich bin heute sehr glücklich und zufrieden mit dieser Entscheidung und bin meinem jüngeren Selbst unglaublich dankbar, dass sie sich so viel Raum und Zeit für diese wichtige Entscheidung genommen hat.

Was mich die Auseinandersetzung mit meinen ungelebten Leben gelehrt hat

In den vergangenen Monaten habe ich das eine oder andere Mal über diese ungelebten Leben nachgedacht. Wie gesagt… vielleicht ist das ein klassisches „Midlife-Phänomen“?! (Falls Du auch in Deinen 40ern oder 50ern bist, kommentiere unten gern mal, wie Deine Erfahrung ist.)

Ich habe mich gefragt, wann genau eigentlich die Reisende von einer Möglichkeit zu einem ungelebten Leben geworden ist, und um das Gehalt meiner inneren Konzernmanagerin getrauert. (Auch wenn man als Selbstständige potentiell deutlich mehr verdienen kann, als im mittleren Konzernmanagement. Aber das war bisher leider nicht meine Realität. Kann ja noch kommen…)

Letztendlich komme ich bei diesem Reflektieren und Nachspüren aber immer wieder zu dem Punkt, dass ich zufrieden bin, wo ich jetzt bin. Und dass ich rückblickend wenig anders machen würde.

Ich glaube, dass es für unser Gefühl von Zufriedenheit unglaublich wichtig ist, regelmäßig innezuhalten und zu erspüren, ob wir uns damit, wie wir unser Leben Tag für Tag gestalten, wohl und am richtigen „Ort“ fühlen.

Ich glaube auch, dass es wichtig ist, es nicht zu ignorieren, wenn das nicht so ist.

Die meisten von uns sind dazu konditioniert worden, unsere innere Stimme wegzudrücken, wenn sie uns etwas Unangenehmes mitzuteilen hat. Wenn sie uns sagt, dass da irgendetwas „schief“ ist – in der Beziehung, die wir führen, in dem Job, in dem wir arbeiten, in dem Leben, wie wir es uns vielleicht mit viel Einsatz gestaltet haben.

Ich möchte Dich unbedingt ermutigen, Deiner inneren Stimme zuzuhören und zu vertrauen.

Wir wissen eigentlich so viel – Einladung an Dich!

Denn wir wissen eigentlich so viel! Wir spüren, welche Beziehung uns nicht gut tut. Wir ahnen, welcher berufliche Schritt eigentlich dran wäre. Wir fühlen, wann eine Grenze überschritten wird.

Doch oft handeln wir nicht danach. Weil wir nicht gelernt haben, uns selbst vollständig zu vertrauen.

Ich bin überzeugt, dass viele von uns Frauen lernen dürfen, uns selbst wieder ernst zu nehmen. Dass wir so leben dürfen, wie es sich für uns stimmig anfühlt, ohne uns dafür zu entschuldigen. Das ist für mich gelebte Souveränität.

Wenn Du spürst, dass Du auch mehr so leben willst, wie es für Dich stimmig ist, dann ist mein Programm SOVEREIGN für Dich gemacht. Die Anmeldung öffnet wieder am 15.04.2026. Hier erfährst Du alles über SOVEREIGN.

Ich bin gespannt, wo Deine innere Stimme Dich überall so hinführen mag, wenn Du Dir erlaubst, ihr zu vertrauen.

Alles Liebe
Suzanne

Beitrags- und Pinbild: Grit Siwonia

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Über die Autorin

Suzanne: Suzanne ist Achtsamkeitslehrerin & Mentorin für Frauen in Veränderungsprozessen.

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