Wie wir unsere tiefsten Wunden auf unsere Liebsten projizieren – und es oft gar nicht merken!

Wie wir unsere tiefsten Wunden auf unsere Liebsten projizieren – und es oft gar nicht merken!

November 8, 2020 Beziehungen, Transformation 0

Info: Diesen Artikel habe ich im Juni oder Juli 2020 verfasst. Hat ein bisschen gedauert, bis ich ihn nun auch veröffentliche.

Hey hey hey… diesen Artikel will ich – als regelmäßige Leserin ahnst Du es vielleicht – schon lange schreiben.

In diesem Fall bedeutet „lange“ vielleicht seit 2 Monaten, denn die ganzen Erkenntnisse, die ich heute mit Dir teilen möchte, sind noch gar nicht mal sooo alt. Ganz schön fresher Scheiß also heute für Dich.

Dieser Artikel ist in gewisser Weise auch eine Ergänzung zu meinem im Juni erschienen Artikel „Heil(ig)e Partnerschaft: Über erfüllte Beziehungen auf dem Beziehungsweg“. Vielleicht möchtest Du den also auch lesen. (Dann klick hier und er öffnet sich in einem neuen Tab für Dich.)

Also… Mein Mann und ich führen eine Traumehe. Ganz ohne Übertreibung, Romantisierung oder blinden Fleck kann ich das aus tiefstem Herzen sagen. Es ist eine so liebevolle, respektvolle, verbundene Partnerschaft, wie ich sie mir vor dieser Beziehung gar nicht hätte vorstellen können. Darüber habe ich auch in dem oben erwähnten Artikel bereits geschrieben.

UND: Manchmal fordert das Zusammensein mit meinem Mann mich wahnsinnig heraus.

Nicht, weil er irgendwas Krasses tut oder sagt – sondern weil ich meine Wunden auf ihn projiziere. Weil er mir als perfekter Spiegel dient.

Dass dies – wie in jeder wirklich intimen und auch mancher nicht so intimen – Beziehung so ist, ist mir im Laufe meines spirituellen Erwachens immer bewusster geworden.

Und es hat dieses Jahr einen herausfordernden und gleichermaßen heilsamen Höhepunkt erfahren.

Oh my, es war intensiv.

Lass mich konkret werden:

März 2020: Mein zieht ins Home Office und I break together

Mitte März 2020 ist mein Mann aufgrund der Corona-Situation mit seinem Office in unser Home gezogen. Wie ich bereits in diesem Artikel beschrieben habe, begann für mich zeitgleich eine äußerlich sehr entspannte Phase und diverse Selbstabwertungsmuster wurden angetriggert.

Auf diesen Punkt möchte ich heute nochmal etwas tiefer eingehen.

Denn wie ich bereits in dem anderen Artikel beschrieben habe, machte mein Ego aus der damaligen Konstellation folgende bedrückende Angst: Er wird sehen, wie faul ich bin und mich dafür hassen, dass er mir Geld geben „muss“.

Solche lieblosen Gedanken tauchten in den ersten Wochen nach Einzug meines Mannes ins Home Office mit unschöner Regelmäßigkeit auf und es fühlte sich für mich zu der Zeit sehr real und bedrohlich an, dass mein Mann sauer auf mich sein würde, mich vielleicht sogar „hassen“ würde, weil er mich in dieser Zeit finanziell unterstütze.

Es war wirklich eine Art Selbstzerfleischung und es war eine sehr herausfordernde Zeit für mich.

Mit der Realität hatten meine Ängste (wie so oft) rein gar nichts zu tun: Mein Mann war die ganze Zeit über liebevoll und unterstützend, wie immer.

Mir ist im Verarbeiten dieser Wochen bewusst geworden, dass ich extrem meine Wunden und meine innere toxische Maskulinität auf meinen Mann projiziert hatte. Hier wird es nun besonders spannend für Dich – denn wir alle tun das: Wir alle projizieren unsere eigenen Wunden auf die Menschen in unserem Leben.

Je näher die Beziehung ist, desto krasser projizieren wir meiner Erfahrung nach.

Und wenn wir nicht aufpassen und nicht achtsam sind, machen wir den Fehler, nicht zu sehen, wo das Problem wirklich liegt:

Nicht in unserem Gegenüber. Sondern in uns!

„Er wird mich hassen!“

Bleiben wir also bei meinem Gedanken: „Er wird mich hassen. Er wird auf mich herabschauen. Weil ich chille, weil ich nichts tue und er mir auch noch Geld geben muss.“

Die Wahrheit dahinter: ICH habe auf mich herabgeschaut. ICH habe mich abgewertet. Also, sicher nicht mein ganzes Ich, nicht mein höheres Selbst war da am Werk, sondern ein Anteil meines Egos: Mein inneres Patriarchat.

Es war die Stimme der toxischen Maskulinität IN MIR, die sagte: „Wenn Du nichts TUST, dann bist Du nichts wert. Dann bist Du unwürdig. Vollkommen inakzeptabel. Du solltest Dich schämen.“

Natürlich ist das nicht die höchste Wahrheit meiner Seele, nicht meine Herzenswahrheit. Sondern eine toxische Perspektive, die ich irgendwann in diesem Leben im Außen erfahren, geglaubt und internalisiert habe.

Weil ich zu dem Zeitpunkt vergessen hatte, was wirklich meine Wahrheit ist, die Wahrheit meiner Seele:

Das TUN und SEIN gleich wertvoll sind. Dass jede von uns wertvoll und würdig ist, ohne dafür erst irgendwas erreichen oder tun zu müssen. Wir sind es. Von Geburt und schon davor.

Zu erkennen, dass all das, wovor ich Angst hatte – die Abwertung und den Liebesentzug durch meinen Mann, in Wahrheit mein inneres Patriarchat, meine eigene, innere toxische Maskulinität war, war eine der wertvollsten Erkenntnisse dieses Jahres.

Denn es war nicht mein Mann, der endlich verstehen musste, dass ich wertvoll, liebenswert und würdig war – er hatte nie daran gezweifelt.

Vorhang auf für: Mein inneres Patriarchat (tadaaa!)

Ich selbst war es.

Ich selbst musste und durfte es endlich verstehen, es noch tiefer annehmen.

Rational ist es mir schon lange klar, natürlich sind SEIN und TUN, feminin und maskulin, gleichwertig. Dieser Fakt und das entsprechende Ungleichgewicht in der Welt sind seit Jahren ein Kernaspekt meiner Arbeit.

Es war nun für mich an der Zeit, mein inneres Patriarchat, die toxische Maskulinität IN MIR um ein ordentliches Stück weiter aufzulösen. Ich bin froh, dass ich heute sagen kann: Es ist mir gelungen – und mein Leben ist seitdem so leicht wie noch nie.

Doch es ging noch weiter.

Haha. Ja, wirklich.

Dass mein Mann nun im Home Office war, war nicht nur aufgrund der gerade beschrieben Dynamik herausfordernd für mich.

Nee, es gab noch einen weiteren Aspekt:

Ich brauche eigentlich extreeem viel Raum und Zeit für mich. Und das „eigentlich“ kannste eigentlich auch gleich wieder streichen:

Ich brauche extreeem viel Raum und Zeit für mich.

Mir war das früher nie so bewusst, weil ich gleichzeitig auch ein ziemlich geselliger Mensch bin.

Erst in den letzten Jahren, seit meinem Erwachen, ist mir immer klarer geworden, wie viel Raum ich eigentlich für mich brauche, wenn ich wirklich in meiner Kraft sein möchte und meine Aufgabe ausfüllen möchte.

(Meine Astrologin hat es übrigens sozusagen nochmal amtlich bestätigt, hehe. In meiner allerersten Horoskop-Analyse sagte sie mir genau das anhand einer Konstellation in meinem Horoskop auf den Kopf zu: „Du brauchst immer wieder Rückzug, Isolation und Anbindung, um wirkliche Erfüllung zu erfahren. Wenn Du Dir diesen Rückzug und Raum nicht gibst, kommt Deine Seele zu kurz und Du erschöpfst Dich selbst.“)

Leave me alone!

Ich brauche auch in unserer Ehe, die auf Herzensebene extrem nah ist, immer wieder große freie Fenster nur für mich.

In den letzten 5 Jahren war das quasi immer automatisch gegeben, weil ich zeitlich flexibel von Zuhause aus arbeite und mein Mann ins Büro geht.

Tja, und Schlag Mitte März… war das halt einfach mal vorbei.

Ich war auch froh, dass mein Mann ins Home Office kommen konnte, aus verschiedenen Gründen. Aber von Anfang an war für mich direkt auch eine kleine Verzweiflung da: „Wie soll ich das bitte aushalten, so ganz ohne meinen Freiraum???“

Mir war von Anfang an klar, dass diese neue Situation ‘ne Herausforderung für mich sein würde.

Und das war sie auch.

Tatsächlich war es gar nicht ganz so schlimm, wie ich es erwartet hatte.

Das Home Office hatte auch schöne Aspekte: Mein Mann konnte morgens ne halbe Stunde länger schlafen und wir konnten zwischendurch einfach mal ne Runde quatschen oder knutschen. Es war oft schön, ihn in der Nähe zu haben.

Aber ich hatte doch, wie zu erwarten gewesen war, auch innerlich immer mal wieder ne kleinere oder größere Krise, weil ich von der Daueranwesenheit meines geliebten Mannes genervt war.

Ich konnte keine Videos machen, keine Audios aufnehmen (weil ich dafür gerne ganz alleine bin) und keine Küchendisko feiern. Und war eben einfach nicht allein – und ich brauche mein Alleinsein wie die Luft zum Atmen.

Eskalation! Eskalation!

Anfang Juni, nach fast 3 Monaten mit meinem Mann im Home Office, gab es dann mal wieder eine interessante Eskalation – eine, die mich wieder so unglaublich viel über mich selbst und meine Wunden lehrte, und in der mein Mann mir erneut als Projektionsfläche diente.

Ich hatte bis dahin schon ein paar tränenreiche Ausbrüche gehabt, weil mein Raum mir so sehr fehlte.

An diesem Tag im Juni war es mal wieder soweit… Ich spürte schon morgens eine schwere Last auf meinem Herzen. Ich hatte vor, an diesem Tag in den Wald zu fahren, wollte aber erst noch in Ruhe frühstücken.

Doch ich spürte, dass das innere Genervtsein und der Druck immer weiter anstiegen und so machte ich mich direkt, ohne Frühstück, fertig, um loszuradeln.

Doch dazu, zum Losradeln, sollte es nicht mehr kommen. Während ich im Bad war, kamen mir schon mega die Tränen und ich hatte leise Wutausbrüche. Ich wollte nicht, dass mein Mann mich hört, aber ich hätte wirklich brüllen können – so frustriert war ich von der Situation; so eingeengt fühlte ich mich.

Mein Mann saß indes friedlich arbeitend vor seinem Rechner und ahnte nichts Böses. (Wie so oft, haha.)

Irgendwann hatte ich mich im Bad einigermaßen beruhigt und entschloss mich, mit ihm zu reden.

Ich ging in sein Büro und sagte (unter Tränen): „Können wir bitte mal reden? Ich kann das so nicht mehr. Kannst Du bitte wieder ins Büro ziehen?“

Wir hatten dann ein gutes Gespräch und mein Mann veranlasste in den Tage darauf, dass er wieder regulär ins Büro gehen konnte.

Alles ganz easy, unkompliziert und undramatisch.

Ich bin sehr dankbar dafür.

Mein inneres Patriarchat – die Zweite!

Was das Krasse an der ganzen Geschichte war: Wieder war es nicht mein Mann, der mich für mein Bedürfnis nach Freiraum abwertete. Er war auch nicht beleidigt oder irgendwas. Für ihn war mein Wunsch total ok. Er kennt und liebt mich ja.

Auch wenn er generell gerne im Home Office geblieben wäre, war es nicht wirklich ein Problem für ihn, wieder ins Büro zu gehen. Im Gegenteil: Er freute sich sogar darauf, seine Kolleg*innen wieder jeden Tag zu sehen!

Das Problem war mal wieder IN MIR: Ich wertete mich selbst innerlich massiv dafür ab, mir meinen Freiraum zu wünschen. Ich wertete mich selbst für ein Bedürfnis ab, das in meiner Natur liegt, dessen Achtung wichtig für mich und meinen Seelenweg ist.

Warum fiel es mir so schwer, mich ganz und gar so anzunehmen, wie ich nun mal bin?

Du ahnst es vielleicht, es war mal wieder am Steuer:

Mein inneres (= internalisiertes) Patriarchat.

Es ist ein prominentes Symptom des patriarchal geprägten Systems, in dem wir immer noch leben:

Dass Frauen ihre eigenen Bedürfnisse abwerten, sie nicht anerkennen. Dass Frauen sich selbst nicht den (Frei-)Raum zugestehen, den sie eigentlich brauchen. Dass Frauen sich nicht erlauben, ihren Raum einzunehmen.

Es ist ein ganz und gar typisches Muster in diesem System, in dem wir leben und das wir in Form von inneren Strukturen, Glaubenssätzen und Verhaltensmustern internalisiert haben.

Und es war wiederum so erhellend, zu sehen, dass mein Mann nicht das Problem ist und dass ich wieder mein inneres toxisch Maskulines auf ihn projiziert hatte.

Das Ergebnis dieses Prozesses ist, dass ich noch mehr in meiner Kraft bin, dass ich mir noch mehr erlaube, meinen Raum in diesem Leben wirklich einzunehmen.

(Auch wenn da immer noch Luft nach oben ist… aber ich bin ja auch erst 37. Man braucht ja noch ein paar Aufgaben im Leben, nicht wahr…)

Beziehungskrise abgewendet!

Und es war auch für uns als Paar gut, dass ich letztendlich doch für mich und mein Bedürfnis eingestanden bin. (Oder habe?) Eingestanden habe?! Na ja, egal. Jedenfalls sind mein Mann und ich uns heute näher als je zuvor.

Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann ne richtige Krise bekommen hätte, wenn mein Mann noch weitere Monate im Home Office geblieben wäre. Ich wäre darunter regelrecht eingegangen beziehungsweise hätte es schon echte Kreativität gebraucht, um irgendwelche Lösungen zu finden, die mich vorm Eingehen retten.

Ich bin froh, dass ich mal wieder mein inneres Patriarchat ein Stück weiter aufgelöst habe und trotz „schlechten Gewissens“ meinen Mann gebeten habe, wieder ins Büro zu ziehen.

Deine Beziehung(en) als Spiegel

Und so hoffe ich, dass ich Dich mit diesem Artikel dazu inspirieren konnte, Deine eigenen Beziehungen und die Konflikte und Reibungspunkte darin vielleicht in einem anderen Licht zu sehen. Sie als Wachstumsmotoren zu erkennen.

(Was nicht heißt, dass Du Dich nicht aus toxischen Beziehungen, in denen es ständig nur hakelt und kracht, lösen solltest – bitte nicht missverstehen!)

Und so hoffe ich, dass Du mit Hilfe dieser Impulse Dein eigenes internalisiertes Patriarchat und Deine eigene innere toxische Maskulinität ein Stück weiter lösen kannst.

Und dass Du Dir erlaubst, für Deine eigenen Bedürfnisse einzustehen, ohne Dich dafür zu zerfleischen.

Es ist Zeit.

Denn die Welt braucht Dich in Deiner Kraft.

Und Du Dich auch.

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Und wenn dieser Artikel irgendwas in Dir ganz besonders angesprochen hat, lege ich Dir ganz besonders meinen tiefgehenden Onlinekurs Journey To Love ans Herz. Hier erfährst Du mehr darüber.

Namaste.

Beitrags- und Pinbild: Grit Siwonia

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Wie das Home Office meines Mannes fast eine Beziehungskrise auslöste – und gleichzeitig ein großer Glücksfall für mich und uns war! [Bildbeschreibung: Eine Frau und ein Mann stehen sich umarmend vor einer Backsteinwand mit einem alten Fenster drin. Text im Bild: "suzannefrankenfeld.de - Wie wir unsere Wunden auf unsere liebsten projizieren... und es oft nicht merken!"]

About the author

Suzanne: Suzanne ist spirituelle Lehrerin, Speakerin & Autorin.

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