Von der Angst, etwas falsch zu machen

Von der Angst, etwas falsch zu machen

März 19, 2018 Uncategorized 6

Das Thema, über das ich heute schreiben möchte, geht mir seit ein paar Tagen oder vielleicht auch schon Wochen (?) immer wieder im Kopf herum. Eigentlich wollte ich einen Insta-Post daraus machen, aber ich merke, dass ich dazu so viel zu sagen habe, dass ein Insta-Post für mich einfach das falsche Format wäre.

In den letzten Tagen (oder Wochen) habe ich viel über meine Angst, etwas falsch zu machen, reflektiert. Und über das Unbehagen, dass ich empfinde, wenn ich etwas „falsch“ gemacht habe.

So ist es zum Beispiel so, dass ich wirklich in mir drin die absolute Krise kriege, wenn ich in meinem Freelance-Job, den ich zwei Tage die Woche ausübe, etwas falsch mache. Ein Rechtschreibfehler oder ein falscher Link in einem Newsletter und es kommt eine große Welle der Scham. Ich habe irgendeine Kleinigkeit vergessen zu erledigen und versinke fast im Erdboden.

Inzwischen ist es nicht mehr ganz so schlimm, aber vor einem Jahr war ein Fehler auf jeden Fall noch die Riesenkatastrophe für mich. Das hat sich wirklich so unglaublich unangenehm angefühlt. In meinem letzten Angestelltenjob war es sogar noch schlimmer!

Auch in meinem Sein als spirituelle Mentorin und – ähhh – mediale Beraterin (?! ich bin mir noch nicht sicher, wie ich mich eigentlich bezeichne) bin ich davor nicht gefeit. Ich möchte ungern etwas „Falsches“ sagen und empfinde immer wieder mal eine unterschwellige Angst vor Verurteilung. Manchmal habe ich Angst davor, mich wirklich zu zeigen wie ich bin, aus Angst vor Verurteilung.

Außerdem empfinde ich auch immer mal wieder Angst davor, in meinem Business falsche Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel Dinge zu früh in die Welt zu geben, die noch nicht reif sind oder Entscheidungen aus den „falschen“ Motiven zu treffen.

Das ist mir alles nicht neu, ich weiß es schon länger und ich kann damit umgehen und trotzdem (oder vielleicht auch gerade deshalb) meinen Weg kraftvoll gehen.

Woher kommt diese Angst?

Aber was mich die letzten Tage so sehr beschäftigt, ist die Frage: Woher kommt eigentlich diese tiefe Angst davor, etwas falsch zu machen?

Denn wenn man es sich mal genauer anschaut, hat es ja in den meisten Fällen gar keine schlimmen Konsequenzen, wenn wir etwas falsch machen. Wenn ich zum Beispiel in einem Reading eine Information „falsch“ deute, tut das niemandem weh und macht auch nicht das ganze Reading „falsch“.

Wenn ich ein Angebot zu früh launche und merke, dass es noch nicht reif war, dann nehme ich es eben wieder zurück oder es bucht einfach keiner. So what?

Viele Dinge sind rückgängig zu machen.

Und: Was falsch ist und was richtig, ist sehr oft auch eine sehr subjektive Bewertung und kann gar nicht universal festgelegt werden.

Woher kommt also diese existenzielle Angst?

Ich persönlich habe für mich die Antwort gefunden, dass darin sowohl eine individuelle als auch eine kollektive Komponente stecken. Und auf die kollektive Komponente möchte ich nun eingehen, weil ich es für sehr wahrscheinlich halte, dass sie Dich als Leser*in dieses Artikels ebenso betrifft und beeinflusst wie mich.

Die kollektive Komponente der Angst

Ich glaube, dass es uns eigentlich im Kern egal ist, ob wir etwas „falsch“ machen oder nicht. Ich denke, wovor wir wirklich Angst haben, ist die negative Beurteilung durch andere Menschen.

Warum geht diese Angst so tief, warum ist sie so existenziell?

Weil eine solche negative Beurteilung für uns in der Vergangenheit tatsächlich existenziell bedrohlich sein konnte. Wir blicken zurück auf Jahrtausende der gewaltvollen Unterdrückung so vieler Menschen, so vieler Freidenker, so vieler offener, reiner Herzen.

Es war tatsächlich eine sehr lange Zeit sehr gefährlich, frei nach dem Herzen zu reden und zu leben. In machen Epochen mehr, in manchen weniger, aber die Gefahr, dass das eigene Verhalten von anderen als falsch beurteilt wird und einem damit zum tödlichen Verhängnis wird, bestand doch relativ lange. Wir müssen, besonders hier in Deutschland, gar nicht so weit in die Vergangenheit zurückgehen.

Mir ist bewusst, dass es vielerorts auf der Welt heute noch so ist, dass Menschen um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie ihre Wahrheit sprechen und/oder einfach nach ihrem Herzen leben.

Doch in Westeuropa haben wir, zumindest auf dem Papier, das Recht, uns völlig frei auszuleben. Wir können so ziemlich alles tun und lassen, was wir wollen, solange es keinem anderen schadet oder gegen unsere gemeinsamen Regeln verstößt.

Und doch sind wir noch immer gefangen von den Schatten der Vergangenheit.

Und doch trauen sich so viele nicht, einfach das zu tun, was ihnen ihr Herz sagt – aus Angst davor, „aus der Reihe zu tanzen“ und dafür existenziell bestraft zu werden. Auch wenn wir diese Angst oft nicht so bewusst zuordnen können, bin ich überzeugt davon, dass sie sehr tief noch sehr stark wirkt und viele davon abhält, das Leben zu leben, das sie sich wirklich wünschen.

Nachdem ich bereits im Studium damit in Kontakt war, habe ich mich besonders auch in den letzten zwei Jahren immer wieder mit der Hexenverfolgung in Europa beschäftigt. Sie hat für mich eine persönliche Komponente.

Weise, wilde, selbstbewusste, mit dem Göttlichen tief verbundene Frauen (und auch ein kleinerer Anteil an Männern) wurden über Jahrhunderte systematisch verfolgt, gegeneinander ausgespielt, gefoltert und grausamst ermordet.

Diese Zeit steckt uns noch in den Knochen, buchstäblich.

Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass besonders viele von uns Frauen lieber nicht aus der Reihe tanzen möchten, sich lieber nur innerhalb des Rahmens bewegen, der ihnen zugestanden wird.

Denn unsere ganze Power auszuleben, war lange lebensgefährlich.

Die eigene Herzens-Wahrheit auszusprechen, die eigene Weisheit zu leben und mit der Welt zu teilen, laut zu sein, selbstbestimmt zu leben, die Stimme zu erheben, Machtstrukturen zu kritisieren und für ungültig zu erklären. Nach eigenen Werten und Regeln zu leben. Das alles konnte lange Zeit tödlich enden.

Und darum brauchen wir uns nicht wundern, dass wir Angst haben, etwas zu tun, was als „falsch“ beurteilt werden könnte.

Darum ist es kein Wunder, dass wir es unbewusst vorziehen, uns in bekannten, „sicheren“ Gefilden zu bewegen anstatt in unser ganzes Potential zu gehen und zu erblühen.

Aber.

Aber: Die Zeit der Scheiterhaufen und Wasserproben ist vorbei.

Die Angst mag noch in uns sitzen, aber wir dürfen nun ganz bewusst entscheiden, dass sie uns nicht mehr regiert.

Weil uns nichts passiert, wenn wir etwas „falsch“ machen. Wir werden es überleben und daraus lernen.

Trau Dich, Dich auszuleben.

Trau Dich, Deinem Herz die Führung zu übergeben.

Trau Dich, wild zu sein, laut und leise, unangepasst.

Trau Dich, Dinge anders zu sehen und es auszusprechen.

Trau Dich, Dich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen und zu positionieren.

Trau Dich, das Leben in „Sicherheit“ hinter Dir zu lassen.

Trau Dich.

Du bist sicher.

Wir sind sicher.

Lass uns JA sagen zum Erblühen, JA zum Ausprobieren, JA zum weiten Rausrudern aus der Komfortzone, JA zum euphorischen Sprung ins eiskalte Wasser, JA zum Tanz auf dem Vulkan, JA zu unserem ganzen, lodernden, wunderschönen SEIN!

The time is now.

Triff Deine Entscheidung

Es ist nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich bewusst mit einer Angst beschäftige. Ich habe es schon viele Male getan und es werden bestimmt noch viele Male kommen.

Ich habe mich dafür entschieden, dass diese spezielle Angst mich nicht mehr regieren wird. Das bedeutet nicht, dass sie von heute auf morgen weg ist. Das muss sie auch gar nicht. Aber: Ich lasse mich nicht mehr von ihr daran hindern, das zu sagen und zu tun, was meine Herzens-Wahrheit ist. Ich gehe ein Stück weiter in meine eigene, einzigartige Kraft, egal, wie das von außen beurteilt werden mag.

Auch Du hast heute die Möglichkeit, Dich ganz klar zu entscheiden.

Nimm Deine Angst wahr und danke ihr, denn sie hatte ihren Sinn. Heute ist der Tag gekommen, an dem diese Angst zurücktreten darf. Entscheide Dich dafür, dass ab heute Dein Herz das Ruder übernimmt.

Ich bin mir sicher, es wird eine einzigartige, aufregende Reise!

Beitragsbild: Thomas Hafeneth via unsplash.com

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About the author

Suzanne: Suzanne ist Mentorin für Frauen und Autorin.

6 Comments

  1. Andrea

    März 19, 2018
    Antworten

    Mein Herz ist voll, mir laufen die Tränen runter aber Worte hab ich grad keine außer: Danke 💜 für Anstöße und das Aus- und Ansprechen.

    • Suzanne

      März 19, 2018
      Antworten

      Meine Liebe <3 Danke Dir für Deine Offenheit und Dein Feedback hier und auf anderen Kanälen :)

  2. Marina

    April 2, 2018
    Antworten

    Suzanne, ein riesengrosses DANKE für deine Worte! Es IST die richtige Zeit, diese Gedanken in die Welt zu geben. Ich fühle es auch. Ich glaube, ich habe eine Seelenschwester gefunden - deine Worte sprechen mir aus meinem Herzen. DANKE.

    • Suzanne

      April 2, 2018
      Antworten

      Liebe Marina, wie wunderbar 💜 Danke, Schwester 😃

  3. Jana

    April 15, 2018
    Antworten

    Liebe Suzanne!

    Ich kann dich echt sehr gut verstehen, mir geht es genauso. Ich traue mich sogar manchmal nicht eine Antwortmail zu lesen, weil ich Angst davor habe in meine Nachricht etwas “Falsches“ geschrieben zu haben... was auch immer das dann sein mag.

    Ich glaube zwar, dass bei mir persönlich die individuelle Komponente eine stärkere ist (Mobbing und so), aber ich finde es sehr interessant diese Ängste auch einmal kulturell zu betrachten.

    Liebe Grüße,
    Jana

    • Suzanne

      April 15, 2018
      Antworten

      Liebe Jana,

      ja, das mit dem E-Mails kenne ich auch... Ich glaube es hat auch immer eine individuelle Komponente, bzw. oft geht das kollektive auch fließend ins individuelle über. Mobbing ist ja irgendwie auch ein kulturell geschaffenes Phänomen. Alles ist immer irgendwie mit allem verbunden.

      Aber wir machen einfach mutig trotzdem unsere Emails auf, nicht wahr :) Und irgendwann, Stück für Stück, wird es immer leichter!

      Alles Liebe für Dich!
      Suzanne

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